Digitize or die - Shop 4.0, der Laden als Produktionsort

Digitize or die - Shop 4.0, der Laden als Produktionsort

Das Stichwort Online-Handel sorgt bei Detailhändlern vor Ort oft für Sorgenfalten: Während das eigene Wachstum stagniert, kann die Konkurrenz aus dem Internet auf jährlich zweistellige Umsatzzuwächse verweisen. Wie sich der stationäre Handel trotzdem behaupten kann und welche Chancen die Digitalisierung für lokale Geschäftsleute bereithält, habe ich in einem Aufsatz zusammengetragen. Zu dieser Idee wurde ich anlässlich einer Digitalisierungsevents im Industriebereich inspiriert.

Eigentlich ist es eine einfache Vision. Was sich ein Kunde wünscht, lässt sich im Laden speziell für ihn produzieren. Das funktioniert heute schon mit 3-D-Druck bei Laufschuhen, Schmuck, Brillengestellen, Kopfhörern und sogar „Gummi-Bären“. Wenn sich dieses Verfahren auf weitere Produkte anwenden lässt, und davon bin ich überzeugt, könnte sich das Geschäftsmodell des Detailhandels komplett ändern.

Also, warum nur verkaufen, wenn man im Laden die Produkte auch gleich herstellen kann und zwar kundenindividuell und personalisiert? Mit dieser Frage müssten sich immer mehr Händler auseinandersetzen.

Adidas zeigt was möglich ist

Adidas, ein Markenhersteller und nicht etwa ein reiner Retailer, präsentierte kürzlich seine „Speedfactory“. Statt Schuhe und Kleidung in Fernost zu produzieren, soll künftig wieder vor Ort beim Kunden gefertigt werden. Und zwar nach Bedarf und auf die Wünsche des Kunden zugeschnitten. "Als ich 1987 bei Adidas angefangen habe, wurde die Produktion gerade nach Asien verlagert", sagt Adidas-Chef Hainer. "Jetzt schliesst sich der Kreis und die Fertigung kommt zurück."
Die möglichen Auswirkungen der neuen Produktionsmethode sind gewaltig. Sie soll Lager für Turnschuhe überflüssig machen, weil vor Ort genau die Menge an Sneakern hergestellt werden kann, die auch tatsächlich verkauft werden. Hainer träumt schon davon, dass die Kassen der grossen Händlerketten tages- oder sogar stundengenau übermitteln, wie viele Exemplare eines Modells verkauft wurden und entsprechend beliefert werden. Auch Produktionsanlagen direkt angeschlossen an den Laden seien denkbar. Durch die kurzen Wege sind auch personalisierte Modelle möglich, auf die man bislang wochen- oder monatelang hätte warten müssen: Schuhe können an den eigenen Fuss angepasst, in den Wunschfarben oder mit eigenen Fotos bedruckt werden – alles innerhalb weniger Stunden oder maximal Tage.
In der Ausbaustufe gibt es folgende Idee: Der Kunde läuft in der Filiale ein paar Schritte auf einem Laufband und bekommt im Handumdrehen aus dem 3-D-Drucker einen neuen Laufschuh nach seinem individuellen Laufmuster und einer Abbildung seines Fussabdrucks. Ein erstes Pilotprojekt entsteht gerade in Zusammenarbeit mit einem Pionier und Spezialisten für 3-D-Druck.
Gerd Manz, Technologie-/Innovations-Chef bei Adidas, ist der Auffassung, dass für die Konsumenten ein völlig neuartiges Markenerlebnis entsteht. „Was auch immer ein Kunde wünscht, wird vor Ort und speziell für ihn produziert.“
„So können wir künftig viel näher an unseren Konsumenten sein und vor Ort in unseren Absatzmärkten produzieren“, so Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender der Adidas Gruppe.

Entwicklung ist schon weit fortgeschritten

Unter der Bezeichnung Urban Manufacturing ist diese Idee schon weiter etabliert: Der Ohrhörer-Spezialist Snugs testet in London in einem Pilotprojekt zum Beispiel, wie sich hochwertige, massgeschneiderte In-Ear-Kopfhörer durch 3-D-Scannen der Ohren und anschliessenden 3-D-Druck im Laden produzieren lassen.
Gleiches kann auch für Brillengestelle passend zur Gesichts- und Nasenform funktionieren, die der Kunde künftig beim Optiker gleich mitnehmen kann. Kürzlich wurde auf der Optikmesse in München der dazu nötigen Kopf-Scanner vorgestellt, welcher mit den Daten von Nase und Gesicht einen 3-D-Drucker speist. „Der 3-D-Druck hat keinen Exoten-Status mehr und wird die Optikbranche über kurz oder lang revolutionieren,“ sagt ein Branchenexperte.

Fruchtgummi nach Mass

Eine ideale Geschenkidee sind auch Fruchtgummis, wie sie Katjes unter dem Markennamen „Magic Candy Factory by Katjes“ nach Kundenwünschen mit dem 3-D-Drucker produziert, während die Kunden im Laden zuschauen. Diese können dabei ihre eigenen Formen, Geschmacksrichtungen und Farben bestimmen. Die Drucker-Patronen beinhalten einen speziellen, schnelltrocknenden Weingummi-Grundstoff. Hier ein erster Eindruck: https://www.facebook.com/katjesmagiccandyfactory/