Sie können den Wind nicht ändern - aber die Stellung der Segel

Wir haben gegessen, gelacht und gefeiert, Zeit mit Familien und Freunden verbracht, die Wintersonne genossen und die kalten Hände am warmen Cheminée-Feuer gewärmt! Die Weihnachtstage liegen hinter uns und das neue Jahr hat begonnen. Und damit die Zeit der Neujahrsvorsätze. Mehr Sport, früher aufstehen, jeden Tag einen Apfel essen?

Im Jahr 2017 habe ich gelernt, wie wichtig die Bereitschaft zu schnellen Veränderungen ist. Diese Bereitschaft hat mir geholfen, Strategien und vorgefasste Meinungen in Frage zu stellen. Auch solche, die gestern noch in Stein gemeisselt schienen.

Natürlich weiss man als Unternehmer und Marketer, dass strategisch sauber geplante Entwicklungsprojekte entscheidend sind, um in unserer wettbewerbsintensiven Zeit erfolgreich zu sein. Aber das zu Ende gehende Jahr hat wieder viele Orientierungspunkte ganz einfach aufgelöst.

Wir erleben einen einschneidenden Wandel, der mit der englischen Bezeichnung „disruptive change“ (deutsch: störende, zerstörende, destabilisierende Veränderung) am besten bezeichnet wird. Es geht schlichtweg darum, sich immer wieder neu zu erfinden, um sich auf eine sich laufend verändernde Welt einzustellen.

Waren früher Stabilität, Sicherheit, Einfachheit und Klarheit gelebte Werte, an denen sich die Gesellschaft und die Unternehmen ausgerichtet haben, stehen wir jetzt und in der Zukunft vor grossen Aufgaben. Der englische Begriff VUCA fasst die Herausforderungen zusammen, denen wir uns in einer zunehmend digitalisierten Welt stellen müssen. VUCA steht für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit.

Der Mensch – Opfer oder Gestalter der Veränderung?
Neue Technologien werden immer schneller entwickelt. In dieser Situation ist noch völlig unklar, welche Rolle der Mensch dabei spielt – ob als Opfer oder als Gestalter dieser Veränderung.
Als positiv denkende Menschen versuchen wir uns in der Rolle des Gestalters und wenden die vier Gestaltungselemente von VUCA an.

V = Volatilität (Volatility)
Die Natur und die Dynamik des Wandels entfalten enorme Kräfte und sind Katalysatoren für radikale Veränderungen.

U = Unsicherheit (Uncertainty)
Der Mangel an Berechenbarkeit, das Mass an unkontrollierbarer Überrumpelung - Startups lassen grüssen - und ein fehlendes Gefühl von Bewusstsein und Verständnis für Themen und Ereignisse sorgen für Unsicherheit.

C = Komplexität (Complexity)
Die Dynamik unserer Systeme, nicht nur technische, multipliziert sich, während die Vernetzung gleichzeitig für Chaos und Verwirrung sorgt. Gesellschaften, Unternehmen aber auch das individuelle Leben bieten Multioptionen und dadurch Multikomplexität.

A = Mehrdeutigkeit (Ambiguity)
Es gibt keine einfachen Ursache-Wirkungszusammenhänge mehr. Die Realität ist verwirrend, oft unverständlich und in keiner Weise mehr planbar. Missdeutungen und Fehlinter-pretationen nehmen zu, denn sehr häufig bricht die Verbindung zwischen Handeln und Wissen ab.

Welche Folgen hat VUCA für Unternehmen?
Volatil bedeutet:
Die Kunden von heute sind nicht mehr zwangsläufig auch die Kunden von morgen. Auch die Quellen des Wettbewerbs sind nicht mehr eindeutig zu lokalisieren. Die elementare Frage lautet: Wer sind unsere Kunden und Wettbewerber von morgen? Weil auf diese Frage schon lange keine klaren Antworten mehr erfolgen können, nimmt der Innovationsdruck in den Unternehmen rasant zu und wird auch noch weiter ansteigen. Unternehmen müssen sich möglichst schnell diversifizieren.

Unsicher bedeutet: Weil Kunden und Wettbewerber nicht mehr eindeutig lokalisierbar sind, nimmt die Ungewissheit über Marktentwicklungen zu. Das stürzt selbst umsichtige Unternehmenslenker in ein Dilemma: Sie müssen mit dem „Worst Case“ rechnen und auf den „Best Case“ hinarbeiten. Eine der Kernfragen lautet: Womit und mit wem werden Unternehmen in Zukunft noch ihr Geld verdienen können? Ein nachhaltiges und dennoch in seinen Grundstrukturen flexibles Personalmanagement wird zukunftsentscheidend.

Komplex bedeutet: Eine hoch komplexe, in sich verzahnte und dabei elementar anfällige weltweite Verflechtung von Wirtschaftskreisläufen, denen ein politisch und rechtlich verlässlicher globaler Rahmen fehlt, sorgt bei jedem einzelnen Unternehmen dafür, dass Unternehmenslenker jederzeit in mehrere Richtungen denken müssen. Mentale Agilität wird zu einer Kernkompetenz. Der Fachkräftemangel der Zukunft wird durch einen Mangel an Generalisten und Allroundern gekennzeichnet sein, die schnell aus ihrer Komfortzone kommen können, hochgradig anpassungsfähig und in der Lage sind, sich unbekannte Sachverhalte schnell zu erschliessen.

Mehrdeutig bedeutet: Fehlen Ursache-Wirkungszusammenhänge und verfehlen bisher bekannte und erfolgreiche Geschäftsmodelle plötzlich ihre Wirkung, sind Unternehmen öfter gezwungen, nach individuellen Lösungen zu suchen. Das Lernen von Best-Practice-Fällen, die Vertiefung von Know-how durch Erfahrung ist nicht mehr zwingend von Erfolg gekrönt.
Je schneller sich die Welt verändert, umso radikal endlicher wird unser Wissen beziehungsweise Erfahrungswissen. Das Optimum von gestern ist der Standard von heute. Die technische Entwicklung beschleunigt zunehmend das Ende der Massenproduktion. Branchengrenzen lösen sich auf. Der Kreislauf von VUCA beginnt erneut: Die Kunden von heute sind nicht mehr zwangsläufig auch die von morgen… . Der Tendenz zu VUCA kann man nicht mit generellen und bisher allgemein gültigen Managementstrategien oder politischen Strategien begegnen. Lineare Lösungen, lineares Denken, lineares Management und lineare Karrieren sind in einer dynamischen, volatilen, veränderungsstarken und mehrdeutigen Welt keine Lösung, sondern eine Herausforderung.

Wünsche zum 2018

Ganz persönlich wünsche ich Ihnen im kommenden Jahr 2018 und darüber hinaus:

- Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben
- Würfel, die in ihrem Sinne fallen
- Den Mut, ihren eigenen Weg zu gehen
- Viele glückliche Tage
- Dass Sie sich bester Gesundheit erfreuen
- Ein geschicktes Händchen bei wichtigen Entscheidungen
- Dass Sie jede Herausforderung mit Bravour meistern
- Den berühmten Reset-Button, mit dem Sie sich die Freiheit nehmen,
   mal zu entrümpeln und Ballast abzuwerfen

Wir sehen uns hoffentlich im neuen Jahr
Herzlichst Ihr Christoph Kalt